• H. Schwarzkopf

Kreativität, Sinn und Trauma.


Wie geht es Dir, wenn du schöpferisch Tätig bist?

Wie geht es Dir, wenn du eine richtig geile Idee hast?

Wie geht es Dir, wenn du im kreativen Flow bist…“Es“ aus dir heraussprudelt?

Wahrscheinlich nicht schlecht.

Momente, wo die Glühbirne angeht und leuchtet ;) -das sind Momente hoher Energie, wir sind wir „be-geistert“ und „inspiriert“. „In-Spirit“ eben. Und das spüren wir auch ganz körperlich.

Schöpferisch tätig zu sein bedeutet „an Schöpfung“ teil zuhaben. Wir sind mit einer Ur-Energie in Kontakt. Das ist aufregend und wir fühlen uns in diesen Momenten im Lebensfluss und ganz da.

Es sind Momente echter Lebendigkeit. Allein oder in Co-Kreation.

Wir sind dabei vollkommen beteiligt, wir sind ganz involviert. Denn durch uns kommt eine Idee, eine Gestalt ins Leben - auf die Erde. Es ist unsere menschliche Form von „mit gestalten“.

Gestalter, Entwickler und Schöpfer SEIN.

Darin liegt eine große Sinnhaftigkeit, denn mit dieser Energie können wir einen Beitrag leisten, mitgestalten, entwicklen und verändern.

Kann diese Energie durch dich wirken, kannst du „Anteil“ nehmen und dich als ,nicht getrennt’ von Lebenssituationen, deiner Umgebung, deiner Kultur und letztlich der Erde erfahren. In kleinen und in großen Prozessen. Auf den konkreten Ebenen des alltäglichen Lebens.

Du bist Gestalter deiner Umgebung und Gestalter deiner Beziehungen. Du bist Teil dieser größeren Ur-Kraft von Schöpfung, Werden und Entwicklung.


Doch welche Ideen und welchen Umgang, von und mit, Kreativität und Schöpfung haben wir eigentlich?

Nach meiner eigenen Erfahrung und auch als Mama in unserem System,

wird sie schon früh in starre Bahnen und enge Formen gebracht.

Viele denken mit Schrecken, an die in unserer Kultur üblichen Formen mit kindlicher und lebendiger Kreativität umzugehen. - Sie wird in die bekannten Bahnen gebracht und zurechtgebogen, bis sie passt…

Wir erinnern uns an Blockflötenunterricht, musikalische Früherziehung, an Diktate und wir denken mit schaudern an vorgefertigte Bastelanleitungen mit Klopapierrollen .

Im Kontext unseres Bildungssystems findet eine bestimmte Idee von Kreativität statt, in den kleinen Kästchen von Kunst-, Musikunterricht oder Nachmittagsangeboten.

Das eigentliche schöpferische Tätigsein- was in unglaublich vielen Bereichen unseres Lebens möglich ist, wird erfolgreich verlernt und aberzogen.

Alles Neue, Unkonventionelle und Innovative ist dem Druck des Bestehenden ausgesetzt. Und das ist auch erst einmal kein Problem.

Doch die Erfahrungen von Abwertung der eigenen Ideen und des eigenen Ausdrucks, Beschämung dieser, ihre starke Reglementierung oder das schlichte -nicht gesehen werden- darin, bringen diese Ur-Energie ins stocken.

Am Ende wissen wir nicht mehr, was das eigentlich war, was UNS „begeistert“. Wo, Wann und Wozu wir gute Ideen bekommen haben und was uns eigentlich so richtig Freude macht, wobei wir im Flow sind.

Oder wir haben noch einen guten Kontakt zu unseren Ideen, aber keinen Mut und kein Vertrauen mehr, diese in die Welt zu bringen.


Ich bin begeistert, ich gestalte, ich entwickle, ich verändere

- mit und in der Welt.

Das ist möglich, wenn ich innerlich weich oder anders gesagt - veränderbar, beweglich, im Fluss bin. Wenn ich im Vertrauen bin, dass das was durch mich kommt- was ich ausdrücken kann und möchte, gut und wertvoll ist.

Bin ich innerlich formbar und in Entwicklung, kann die Energie frei in mir fließen?

Oder bin ich, aufgrund meiner Erfahrungen, hart und unveränderlich, gehemmt im Ausdruck oder in einer bestimmten Form erstarrt?

Bei dieser Frage sind wir thematisch im Bereich von persönlichem und kollektivem Trauma angekommen.

Denn Erstarrung und „eingefrorene Energie“ sind ein zentrales Moment von Trauma.


Die Sehnsucht nach Inspiration, nach Ausdruck, nach Gestalten ist da. Heute sehen wir beispielsweise einen großen Boom von DIY-Blogs oder riesige Internetportale wie Pinterest oder Etsy. Kreativität wirkt, in unserem System, also noch in ihren bekannten und erlernten Feldern, dort findet sie ihren Ausdruck. Und das ist vielleicht gar kein schlechter Anfang.

Lassen wir diese Urkraft ihren eigentlichen Raum zurückerobern….

In UNS und in unseren Systemen: unserem alltäglichen Leben, unserer Arbeitswelt und in unseren Beziehungen. Wir brauchen sie überall, diese Ur-Energie. Um neue Lösungen zu generieren und um selbst wirksam, in dieser Welt, unseren Beitrag zu leisten. Es kann uns gut tun - das Unkonventionelle, das Neue, das Verrückte, das Andere.


Und ja, wir können diese Erstarrung IN UNS lösen.

Und ja, wir können damit die Starre der alten, unverbundenen und nicht wirklich lebensbejahenden Systeme, lösen. Denn wir sind ein Teil davon.