• H. Schwarzkopf

Trauma und Heilung

»Ein Trauma unterdrückt die Entfaltung des Lebens.

Es unterbricht die Verbindung zu uns selbst, zu anderen Menschen,

zur Natur und zu unserer geistigen Quelle.»

(www.traumahealing.ch)


Traumata sind die biologisch unvollständige Antwort des Körpers auf eine,

als lebensbedrohlich erfahrene, Situation.

Eine Situation, die kurz gesagt -zu viel, zu schnell, zu plötzlich - war.

Gesamtgesellschaftlich gibt es leider noch viele Missverständnisse

um das Thema Trauma und um traumatische Erfahrungen und ihre weitreichenden Symptome.


Ein Trauma kann bei einem katastrophalen Ereignis entstehen, bei einem Unfall, Stürze, Operationen, zahnmedizinische Behandlungen, schwere Krankheiten, Verletzungen oder Verlust eines nahen Menschen oder auch Krieg, Naturkatastrophen oder Missbrauch.


Traumatische Erfahrungen haben wir allerdings nicht nur bei solchen schweren Ereignissen.

Sie können ebenso (bei Menschen mit Entwicklungstrauma) beispielsweise durch ungünstige Erfahrungen als Kleinkind mit den eigenen Eltern entstehen.

-Durch schreien lassen, vielleicht wurden sie in DDR- Zeiten in die Wochengrippe gegeben oder hatten Eltern, die selbst mit großen Ängsten oder den eigenen Traumata zu tun hatten.

Ebenso können es familiäre belastende Situationen sein, denen sie als Kind ausgesetzt waren und denen sie damals natürlich nicht entfliehen konnten.


Für einen Menschen kann eine Erfahrung traumatisch sein kann und für einen anderen nicht. Ob das so ist, ist eine individuelle Erfahrung, die von vielen Umständen und unserem individuellen Nervensystem abhängig ist.

Wie Menschen selbst, kann man auch Erfahrungen die Trauma auslösen nicht fest definieren. Es gibt viele Formen, wie das eben erwähnte Bindungs-/oder Entwicklungstrauma, Schocktraumata oder auch generationsübergreifendes Trauma oder auch Übernommes Trauma.


Was bedeutet nun biologisch unvollständige Antwort des Körpers auf eine, als lebensbedrohlich erfahrene, Situation?


Wir Menschen, haben wie auch Säugetiere, drei angeborene Strategien für uns bedrohliche Situationen zur Verfügung: Flucht, Kampf oder Totstellreflex (Erstarrung).

Gelingt uns in einer Situation die Flucht oder Kampf, stellt sich im Organismus meist das natürliche Gleichgewicht wieder ein.

Können die ersten beiden Strategien nicht erfolgreich ausgeführt werden, setzt der Totstellreflex- das Erstarren oder Einfrieren ein. Die zuvor bereitgestellten Energie bleibt im Nervensystem „stecken“ und kann nicht entladen werden.

Diese im Körper gebundene Energie ist Trauma.


„Trauma ist die vielleicht am häufigsten ignorierte oder verharmloste und mißverstandene Ursache menschlichen Leidens. Ein Trauma ist im Nervensystem gebunden. Durch einschneidende Ereignisse hat es seine volle Flexibilität verloren.

Wir müssen ihm helfen, wieder zu seiner ganzen Spannbreite und Kraft zurückzufinden.“ (Dr. Peter Levine).


Es zeigt sich, dass bei der Erstarrung, die nach einer starken Erregung eintritt,

viel Energie im Körper verbleibt. Bewegung allerdings nicht mehr möglich ist.

-Diese Energie ist im Nervensystem gebunden.

Ein Zustand der Übererregung bleibt innerlich. Dies zeigt sich in vielen Formen wie durch ein Gefühl einer inneren Unruhe oder Anspannung, Schlaflosigkeit, Hyperaktivität, Süchte, Konzentrationsschwierigkeiten, Spannung oder dem „nicht dran bleiben können“.

Genauso kann es passieren, das durch die Erschöpfung das Nervensystem in einen untererregten Zustand wechselt.

Das zeigt sich beispielsweise in Kraftlosigkeit, Depression, Energielosigkeit, Erschöpfung oder Lustlosigkeit- Ein „ich kann und ich will nicht mehr“.

Oft mit einem Gefühl von Sinnlosigkeit oder emotionaler Leere.

Manchmal auch mit Gefühlen von „ganz anders“ zu sein oder sich als getrennt von sich und anderen zu erleben.


Ein wichtiger Aspekt, bei unseren Antworten auf solche Situationen, spielt auch die

Dissoziation. Ein Zustand, in dem ich mich und meinen Körper verlasse

und mich eher von außen betrachte und wahrnehme.

Oder in einer Art Trance in andere Welten flüchte, weil mich mein Sein im Körper hier einfach überfordert. Bewusst oder unbewusst.


Wir können diese festsitzenden Energien, die sich auch körperlich manifestieren,

erkennen und mit ihnen arbeiten.

Unser Körper zeigt uns oft mit Spannen und Halten wo ein Thema, eine Erfahrung sitzt. Emotionen und Schmerz und gestaute Energie im Nervensystem können wieder in Bewegung- in eine vollständige Antwort unseres Körper-Geist Systems -gebracht werden.

Es gibt verschiedene Wege Unterdrücktes oder Abgetrenntes ins Bewusstsein zu holen und zu heilen.

Wir können, mit Unterstützung, die stecken gebliebene Energien wieder ins Fließen bringen. Mit der Arbeit, aus der Traumaforschung nach Peter Levin, mit verschiedenen Techniken wie neuerogenem Zittern, Aufstellungen (bei transgenerationalem), Atem und ggf. mit passender körperlicher Berührung können wir unvollendete Prozesse schließen und Energien entladen.

Körper, Geist und Seele können heilen. - Nichts anderes wollen Sie.


Heidi Schwarzkopf

www.anderthalb-leipzig.de


Pic: Amy Judd